Carsten Fock

02. Mai – 07. Juni 2014

Carsten Fock

Installation views

Towers of the Virgin

In seinen Zeichnungen und Gemälden durchsetzt Carsten Fock (geb. 1968) abstrakte Farbformationen mit „Gestaltfetzen“ und immer wieder einbrechenden Figurationen, die er in seriellen Arbeitsprozessen ständig fragmentiert, neu zusammensetzt und in eine kritische Revision überführt.
Die Galerie Jochen Hempel präsentiert eine Einzelausstellung mit jüngeren Arbeiten, die seine Grundthemen in der Folge eines Aufenthaltes im Westen der USA weiterentwickeln. Insbesondere setzte Fock auf dieser Reise die Auseinandersetzung mit Landschaften und ihren politischen und emotionalen Besetzungen fort. Er schließt damit an seine frühere Beschäftigung mit dem romantisch verklärten bayerischen Bergmassiv Watzmann und dem durch Hitler „geprägten“ Obersalzberg an.
In den oft als Freiheitsräumen ersehnten Weiten der USA setzt sich diese Arbeit unter veränderten Vorzeichen fort: Im Zentrum steht die Frage, wie sich politische und sentimentale Besetzungen landschaftlicher Räume „ertasten“ und künstlerisch umsetzen lassen. Der Ausstellungstitel Towers of the Virgin verweist auf ein Bergmassiv im Zion National Park in Utah – einer Landschaft, die durch die Glaubensgemeinschaft der Mormonen tiefe religiöse Einschreibungen erfahren hat, etwa in der Belegung von Naturstätten mit christlichen Namen.
Der erste Raum der Ausstellung präsentiert eine Serie von Farbstift-Zeichnungen. Hier finden sich einerseits komplexe formale Arbeiten mit einem beinahe obsessiven Auftrag von Strichen in unzähligen Schichten, die einen dichten, aber ganz ungegenständlichen Raum schaffen. Andere Zeichnungen zeigen landschaftlich geprägte Sujets, die sich in unterschiedlichen Freiheitsgraden aus dem mehrschichtigen Gewirr der Farbstriche herausschälen.
Im Zuge der Ausarbeitung dieser Serie verschränkten sich die beiden Modi des Formalen und des Gestalthaften immer stärker zu einer unauflösbaren Einheit. Fock hat eine kabinettartige Situation entwickelt, indem der kleinere Galerieraum gänzlich in Manganblau getüncht ist. Er verbindet damit die einzelnen Zeichnungen zu einer intensiven Gesamtatmosphäre.
Der größere Raum der Ausstellung präsentiert eine Auswahl von Gemälden. Fock beschreibt ihre Entstehung als eng mit seiner zeichnerischen Praxis verschränkt, aus der heraus der Impuls für die erste Komposition auf der Leinwand entsteht. Sie wird in einer kontrollierten, seriell wiederholten Geste malerisch umgesetzt und mehrfach erneut bearbeitet.
Während sich jedoch in den Zeichnungen neben rein formalen Abstraktionen auch ganz konkrete Motive manifestieren, ist der Status der Malereien gänzlich ungeklärt. Es verbleibt im Ungefähren, ob ein Gemälde ein konkretes Landschaftsmotiv, die allgemeine Abstraktion einer Landschaft oder ein rein formales, autonomes Bild zeigt. Flüchtige Horizontlinien und hingeworfene Motivreste deuten Wirklichkeitsbezüge an, die sich bei näherem Hinsehen als nicht belastbar erweisen.
Für den Betrachter „zersplittert“ damit die Wahrnehmung der Gemälde wie in einem Spiegelkabinett. Die von Fock aufgeworfene Frage, ob Landschaft heute überhaupt ein mögliches oder gar ein zeitgemäßes Sujet ist, endet in einem Zirkelschluss und wird immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurückverwiesen.