Marcin Cienski

16.01. – 27.02.2016

Eröffnung | opening

16.01.2016, 11 – 20 Uhr

Portfolio

»Spuk in der Scheune«

Das Thema der Ausstellung beruht auf einer Legende – oder vielleicht sogar wahren Geschichte –, die seit Jahrhunderten in meiner Familie umgeht. Es war dies eine Adelsfamilie mit einem Palast und viel Land im östlichen Teil Polens (heute Ukraine). Diese Gegend ist berühmt für ihre Hexenjagden und Verbrennungen von Frauen, die der Hexerei bezichtigt wurden.

So hatte der Legende nach, einer meiner Vorfahren irgendeinen Streit mit einer örtlichen Schamanin (womöglich Liebeshändel, aber wer weiß?). Daraufhin belegten sie und ihre Hexengefährtinnen die Tiere auf dem Hof meines Vorfahren mit einem Zauber. Die Kuh gab saure Milch, und die Ziegen begannen Menschen anzugreifen. Mein Urgroßvater wollte nicht nachgeben, und der Streit spitzte sich immer mehr zu. Daraufhin belegte eine Hexe der »Szeptucha« genannten Sorte (eine »Einflüsterin«, wie es sie in Polen noch immer gibt, wo sie jedoch meist als gute Hexen gilt, die weiße Magie betreibt und den Menschen hilft) ein Kind meines Urgroßvaters mit einem Zauber. Das Kind wurde zusehends schwächer und stand schon am Rande des Todes. Es half nur ein Besuch in einer heiligen Stätte des Schlosses – da brach ein katholischer Bischof den Zauber. Nun geriet die Hexe in Zorn, und sie und ihre Hexengefährtinnen legten Feuer im Schloss, das bis auf die Grundfesten niederbrannte. Meine Familie musste es wieder aufbauen, aber seine frühere Größe hat es nie wieder erlangt.

Danach verschwand die Hexe, wobei aber unklar ist, ob sie gejagt und ins Gefängnis gesteckt oder gar auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Niemand spricht darüber.

Im alten Polen war es ein weit verbreiteter Glaube, dass Hexen kleine Kinder stehlen, oder, wenn man ihnen kein Geld gibt, Menschen mit diesem oder jenem Zauber belegen. Kleine Kinder mussten blaue Bänder um die Handgelenke tragen, um sich vor dem so genannten »bösen Blick« zu schützen. Letztmalig wurde in Polen eine Hexe am Ende des 19. Jahrhundert verbrannt.

Hexen nannte man »Baba Jaga« oder »Szeptucha«. Für gewöhnlich wurden sie als hässliche alte Frauen dargestellt – oft zahnlos oder ganz im Gegenteil mit Metallzähnen –, die in einem abgeschiedenen Teil des Dorfes lebten, häufig nahe einem Sumpf oder Wald. Sie konnten auf Besen fliegen, und der Teufel war ihr Liebhaber und Gebieter. Zuweilen konnten sie sich jedoch auch in schöne junge Frauen verwandeln.

Auf eben diese Weise zeige ich sie in meinen Gemälden, wie sie Tieren einen bösen Zauber einflüstern, Flüche ausbringen und Schlösser niederbrennen. Manche glaubten, sie hätten Wölfe oder gar Werwölfe zu ihren Bediensteten. Auch das kommt in einem der Bilder vor. In der Ausstellung können Sie zu Stein erstarrte Tiere in einem alten Stall sehen.

Um diesen Effekt zu erzielen, nahm ich mitten im tiefsten, sehr kalten Winter ein Foto in einer Scheune nahe Krakau auf. Der Geruch nach Tieren und die Wärme ihrer Körper waren eine unglaubliche Erfahrung. Stilistisch beziehen sich die Gemälde mit ihren vielen kontrastierenden Lichtern und Schatten auf die alten Meister.

“Haunted Barn”

The theme of the show is based on a legend – or potentially a true story – that has been in my family for centuries. They were a noble family with a palace and a lot of land in the eastern part of Poland (now Ukraine). That region is famous for witch hunting and the burning of women accused of witchcraft.

So the legend goes that one of my ancestors had some kind of argument with a local shaman woman (potentially an affair, but who knows?). As a result she and her fellow witches cast a spell on animals on my ancestor’s farm. The cow would produce sour milk and the goats started attacking people. My great-grandfather did not want to back down and the argument became worse and worse. As a result a kind of witch called Szeptucha –”Whisperer” (they do still exist in Poland, but they are mostly considered to be good witches, doing white magic and helping people) – put a spell on a child of my great grandfather. The child stared to get weak and was on the edge of death. The only thing that helped was a visit to a castle sanctuary – and a Catholic bishop broke the spell. The witch was angry and she and her fellow witches set the castle on fire and it burnt to the ground. My family had to rebuild it, but it never returned to its former greatness.

After that the witch disappeared, although it is unclear if she was followed and kept in prison or even burned on a stake. Nobody talks about it.

In old Poland it was a very popular belief that witches would steal babies, or, if not given money, cast various spells on a person. Babies had to wear blue ribbons around their wrists to be protected from a so called “evil eye”. The last witch burning in Poland was at the end of 19th century.

Witches were called Baba Jaga, or Szeptucha. Usually they were portrayed as old, ugly ladies, often with no teeth, or on the contrary, with metal teeth, living in a secluded part of a village, often close to swamp or forest. They could fly on a broom and the devil was their lover and master. Sometimes, however, they could transform themselves into young, pretty women.

In my paintings I show them like this, whispering bad spells to animals, casting spells and burning down castles. Some people believed they had wolves or even werewolves as their servants. That is also in one of the paintings. In the show you can see petrified animals in an old stable.

To achieve that effect I took a photo in a barn near Kraków in the middle of very cold winter. The smell of animals and the warmth of their bodies was an incredible experience. Stylistically, the paintings refer to old masters with a lot of contrasting light and shadow.