Andreas Johnen

06.07. – 03.08.2018

SKULPTUR

06.07. – 03.08.2018

INTERVIEW – Juni 2018 – Maria Grade und Andreas Johnen

MG: Im Hinblick auf welche Eigenschaften wählen Sie die Materialien für Ihre Arbeiten aus? (Ich ziele dabei vor allem auf die Skulpturen)
AJ: Ganz allgemein schließe ich kein Material zur Verwendung aus. Es sind nicht exotische, eher herkömmliche, uns allen bekannte Werkstoffe in unterschiedlichen Zuständen, von fest bis flüssig. Sie sind überall zu erwerben und somit bin ich in der Produktion ortsunabhängig.  

MG: Haben die Materialien eine Bedeutung?
AJ: Sie haben eine Bedeutung, ich setzte sie jedoch nicht wegen ihrer Symbolkraft ein. Welche Bedeutung sie für den Betrachter haben, kann ich nicht voraussagen. Für mich besitzen sie eher einen Charakter, etwas Menschliches. 

MG: Steht der Herstellungsprozess im Dienst der Wirkung (fester Plan) oder handelt es sich um reine Zufallsprodukte?
AJ: Man kann ein Zufallsprodukt nicht herstellen. Menschliches Einwirken auf ein oder mehrere Materialien, ist eine Form von Gestaltung. Als Künstler, kann ich versuchen, mich aus dem Gestaltungsprozess mehr oder weniger zurückzuziehen. Im Endprodukt, werde ich jedoch immer präsent sein.
Alle erarbeiteten Werke unterliegen einem Herstellungsprozess, der innerhalb des Werdens ein Eigenleben entwickelt. Diesem Wachstumsprozess wohnt etwas Unkontrollierbares inne. Daraus, und aus der Materialauswahl, ergibt sich diese direkte plastische Wirkung. Trotzdem entstehen alle Arbeiten innerhalb eines Spielraumes. Dieser variiert nur in der Größe. Ich beginne, beobachte und treffe irgendwann die Entscheidung, dass die Arbeit beendet ist. Bei den seriellen Arbeiten, entscheide ich vorher über den Handlungsspielraum, welcher Ausdehnung und Größe beeinflusst. Ebenso wähle ich vorher die zu kombinierenden Materialien und einen Versuchsaufbau. Es ist also möglich, dass im immer gleichen Behälter die gleiche Menge von unterschiedlichen Materialien gefüllt wird, und am Ende eine individuell erscheinende Arbeit entstanden ist, mit konstanten Außenmaßen.
 

MG: Sie arbeiten auch viel mit Dipping. Dies verschleiert ja wiederum teilweise die Materialeigenschaft bzw legt eine gleichmäßige Farbhaut über alles. 
AJ: Bei den Materialcollagen wird so eine sichtbare Konstante hinzugefügt. Es vereinheitlicht, ähnlich einer Uniform. Bei den Papierarbeiten bildet sich durch diesen immer wiederkehrenden Vorgang, eine individuelle Form. Das Papier verformt sich, durch den sich vielfach wiederholenden Tauchvorgang.

MG: Welchen Stellenwert schreiben Sie dem Seriellen bei Ihrer Arbeit zu? (Zeit, menschliches Einwirken)
AJ: Sicherlich benötige ich mehr Zeit eine Serie herzustellen als eine einzelne Arbeit gleichen Ausmaßes. Der Handlungsrahmen ändert sich wenn ich eine Serie produziere. Die Arbeit wird für mich eher zu einem Ding, einem Objekt, im Gegensatz zu denen in Form und Ausmaß stark unterschiedlichen Skulpturen. Ich versuche bei vorher festgelegten Konstanten Unterschiede heraus zu arbeiten. Wenn man so will, innerhalb eines Handlungsspielraums Handeln sichtbar zu machen.

MG: Sie sagten einmal, Sie versuchen eine Form von Realität herzustellen. Heißt das für Sie auch Extreme auszuprobieren, an die Grenzen des Materials zu gehen?
AJ: Ja, wenn ich an die Grenzen des Materials gehe, erreiche ich damit eine Zuspitzung die es ermöglicht, Distanz zum Betrachter aufzulösen. Eine Unmittelbarkeit zu erreichen. Obwohl ich den Gestaltungsprozess eher aus der Entfernung beeinflusse. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr das eine Arbeit zu dramatisch und theatralisch wirkt. Woran ich nicht interessiert bin.