Benjamin Bergmann

07.09. – 11.10.2019



Benjamin Bergmann
Movimento

07.09. – 11.10.2019
 

Galerie Jochen Hempel

Spinnereistrasse 7

D – 04179 Leipzig

Preview

Freitag, 06.09.2019, 16 – 20 Uhr

Spinnerei Rundgang 
Samstag, 07.09.2019, 11 – 20 Uhr
Sonntag, 08.09.2019, 11 – 16 Uhr

//

Preview 

Friday, 06.09.2019, 4 – 8pm

Spinnerei Rundgang
Saturday, 07.09.2019, 11am – 8pm
Sunday, 08.09.2019, 11am – 4pm

Mit „Movimento“ (deutsch: Bewegung) präsentiert die Galerie Jochen Hempel die vierte Einzelausstellung des Künstlers Benjamin Bergmann (*1968), der sich in seinen Skulpturen und raumgreifenden Installationen mit existentiellen Fragestellungen, der Beobachtung des individuellen und gesellschaftlichen Lebensraumes, alltäglichen Handlungen und Begegnungen beschäftigt. Dabei spielt er mit Elementen des Absurden, mit Realitätsverschiebungen oder Irritationen, bricht so geläufige Sehmuster und Vorstellungen auf und stellt herkömmliche Herangehensweisen in Frage.

Schweben, fliegen und tanzen scheinen die bestimmenden Bewegungen und Gesten zu sein, die den Galerieraum in seiner Gänze einnehmen. Filigrane Mobile aus grau gefärbten Papierlampions, in unterschiedlichen Größen und Formen hängen im Raum oder baumeln still und schweigsam in großen, stählernen Vitrinen. So verweisen die runden, prall gefüllten – teils stark deformierten – Lampions auf eine nächtliche, vergangene Party.
Das Fest ist vorbei, die Gäste gegangen und so scheint die vorausgegangene Ausgelassenheit noch spürbar. Jedoch sind die Lampions nur auf den ersten Blick aus Papier. Der Künstler hat sie abgeformt und in Beton nachgebildet. Anstelle feiner Schnüre, werden die Betonlasten von massiven, eisernen Ketten gehalten.
Die ursprünglich unschuldigen, kindlich konnotierten Lampions verkehren sich in ihrer Bedeutung und werden ähnlich einer mittelalterlichen Waffe zur Bedrohung und potentiellen Gefahr für Besucher und Betrachter.

Bergmann verleiht seinen Werken die gewohnte Doppeldeutigkeit!
Nichts bewahrheitet sich, was der erste, vertraute Blick zu versprechen scheint und so entfalten die Werke ihr Eigenleben, deuten Geschichten und Handlungen an und aktivieren die Imagination des Betrachters.

So auch bei der titelgebenden Lichtinstallation „Movimento“: Hier kreisen zwei „Moving Lights“ – bewegliche, digital gesteuerte Scheinwerfer wie man sie aus Großraumdiskotheken kennt – rhythmisch durch den Raum. Zwischen den beiden, auf schmalen Sockeln erhöhten Objekten, entfaltet sich ein verständiger, fast zwischenmenschlicher Dialog. Die „Moving Lights“ scheinen miteinander zu kommunizieren oder gar voneinander zu lernen. Aus den beiden Gegenüber entsteht ein partnerschaftliches Miteinander und so entfaltet sich zwischen den Lichtmaschinen ein ekstatischer, synchroner Tanz, eine offensichtliche Ekstase in perfektem Einklang, die sich bis zur äußersten, „körperlichen“ Erschöpfung ausweitet und beide Scheinwerfer schließlich in eine Art gemeinsamen Schlaf und in Dunkelheit verfallen.

Bergmann vereint in der Ausstellung „Movimento“ eine Serie neu entstandener Arbeiten, die sich mit dem Zusammenspiel und der Gleichzeitigkeit von Energie, Ekstase und kontemplativer Stille beschäftigen: mit extrovertierten, feierlichen Momenten, denen zugleich eine Ruhe und ein Augenblick meditativer, innerer Einkehr anhaftet. Der Künstler befragt das Potenzial dieser Momente und der Stille, in der gleich einem Resonanzraum so vieles an- oder nachzuklingen vermag.