Yeşim Akdeniz

opening 15.09.2017

“But first you must learn how to smile as you kill.”

ist der Titel der ersten Ausstellung von Yesim Akdeniz in der Galerie Jochen Hempel.

Die 1978 in der Türkei geborene Künstlerin zitiert eine Zeile aus dem Song ‘Working class hero’ von John Lennon und knüpft mit Ihrem künstlerischen Werk ein Stück weit an den gesellschaftskritischen Ton des Songs an. Thematisierte John Lennon noch die Misere der ausgebeuteten Arbeiterklasse, so vertieft sich Yesim Akdeniz hingegen in den Genderdiskurs und die daraus resultierenden Problematiken innerhalb der Gesellschaft und ihren Umgang mit diesen Themen.

Für den aktuell gezeigten Werkzyklus wurde Akdeniz im Besonderen von der Geschichte des E-1027 Hauses, erbaut von der Architektin Eileen Gray, inspiriert. Diese wurde als Initiatorin und Architektin des Bauprojektes zu Lebzeiten nie anerkannt und stand immer im Schatten der einflussreichen, vorherrschenden männlichen Kollegen. So kam es, dass Le Corbusier, der engen Kontakt zu Eileen Gray pflegte und des Öfteren in der von ihr geplanten und erbauten Villa zu Besuch war, eines Tages in ihrer Abwesenheit die weißen Wände des Hauses mit sechs übergroßen, kubistischen Wandbildern versah, um auch sich selbst in dieser architektonischen Meisterleistung verewigt zu haben. Es wird vermutet, dass Gray niemals ihre Zustimmung für diesen künstlerischen Akt gegeben hatte und sehr erbost war über das respektlose, missachtende Verhalten des befreundeten Künstlers. Danach trennten sich ihre Wege.

Yesim Akdeniz greift die Geschichte in einem Ihrer Werke wieder auf und zeigt eines der von Le Corbusier gemalten Wandgemälde, integriert in das Interieur einer ihrer Malereien. Fast scheint sie die brachialen Malereien bannen zu wollen, zu degradieren. Die männliche Macht regulieren zu wollen. Auch in den weiteren Werken greift die Künstlerin immer wieder symbolträchtige Objekte und Bilder auf, um diese im Folgenden zu isolieren und in neu geschaffenen Zusammenhängen zu arrangieren. Bisherige Inhalte und Bedeutungen scheinen sich aufzulösen, meist auch umzukehren.

Die auf diese Weise entstehenden surrealen Arrangements beinhalten ihre ganz eigenen inhaltlichen Verweise. Auch die glatten Oberflächen der Objekte, sowie die pastellige Farbwahl eröffnen dem Betrachter eine ganz eigene Realität der Dinge, die zunächst nicht in Frage gestellt werden kann. Die bewusste Wahl von allgemein bekannten Designobjekten, architektonischen Räumen, inhaltlich aufgeladenen, stereotypischen Figuren und Landschaften als Hauptbestandteile ihrer Malereien schaffen eine Art Bühne. Der Betrachter als Zuschauer identifiziert sich mit den altbekannten Motiven, die ebenfalls wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität sind und sieht sich auf diese Weise ganz persönlich konfrontiert mit den von Akdeniz geschaffenen Bildwelten.

Auf diese Weise gelingt es Yesim Akdeniz sich sowohl in gesellschaftskritischen Diskursen als auch politischen Geschehnissen mit ihren Werken zu positionieren, ohne direkten Einfluss nehmen zu wollen. Der Ausdruck ihrer Werke ist eher ein Subtiler, geheimnisvoller, daher aber umso gewaltiger.

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“But first you must learn how to smile as you kill.”

Is the title of the first exhibition by Yesim Akdeniz at Galerie Jochen Hempel.

The artist, born in Turkey in 1978, cites a line from the song ‘Working class hero’ by John Lennon and, with her work, attaches a bit to the social criticism of the song. While John Lennon threats the misery of the exploited working class, Yesim Akdeniz deepens the gender discourse and the resulting problems within society and their dealing with these issues.

For the current work cycle, Akdeniz was inspired in particular by the history of the E-1027 house, built by the architect Eileen Gray. She was never recognized as the initiator and architect of the construction project during her lifetime and always stood in the shadow of the influential, predominant male colleagues. It was thus, that Le Corbusier, who was in close contact with Eilen Gray, and frequently visited the villa she had planned and built, one day in her absence provided the white walls of the house with six oversized, cubist paintings. To have also immortalized himself in this architectural masterpiece. It is believed, that Gray had never given her permission for this artistic act and was very angry at the disrespectful, selfish behavior of the artist. Thus their paths separated.

Yesim Akdeniz takes up the story in one of her works by repainting one of the murals of Le Corbusier and integrated it into the interior of one of her paintings. It almost seems that she wants to banish the brutal painting. To regulate the male power. In the other works, too, the artist repeatedly touches symbolic objects and images, in order to isolate them in the following and to arrange them in newly created contexts. Previous content and meaning seem to dissolve, usually also reverse.

These resulting surreal arrangements contain their very own substantive references . The smooth surfaces of the objects, as well as the pastel color selection, open up the viewer’s own reality of things, which can not be questioned at first. The conscious choice of well-known design objects, architectural spaces, con tent loaded stereotypes and landscapes, firmly anchored in our cultural memory, as main components of her paintings, creates kind of a display. The viewer as a spectator identifies himself with well-known motifs and sees himself in this way quite personally confronted with the picture worlds created by Akdeniz.

In this way, Yesim Akdeniz succeeds in positioning herself with her works, both in social-critical discourses and political events, without initiating a direct influence. The expression of her works is more of a subtle, more mysterious, and therefore more powerful.