Sabine Kölmel + Shelley Adler

opening 01.06.2018

01.06. – 29.06.2018

About Time

About Time zeigt neue Arbeiten von Sabine Koelmel und Shelley Adler in der Galerie Jochen Hempel. Der Titel verweist spielerisch darauf, dass diese Ausstellung nach jahrzehntelangen Gesprächen über Kunst und Leben und die Idee, ihre Werke im selben Raum zur selben Zeit aufzuhängen, die beiden Künstlerinnen und Freundinnen endlich zusammenbringt. In eher praktischer Hinsicht vermittelt About Time auch einen aussagekräftigen Kontext zur entscheidenden Rolle der Zeit im Arbeitsprozess des Kunstschaffens. Koelmels Bilder entstehen langsam. Manchmal vergehen Jahre, in denen viele Schichten opaker und transparenter Lasuren wieder und wieder aufgetragen werden und das Werk allmählich von einer Sache zu einer anderen wird. Bei Adlers Tuschezeichnungen ist die Zeit von wesentlicher Bedeutung, da das ganze Werk in einem Zug gefertigt werden muss. Sobald das Motiv ins Papier eingezogen ist, gibt es kein Zurück mehr und Ergänzungen oder Korrekturen der Tusche sind ausgeschlossen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

About Time, an exhibition of new work by Sabine Koelmel and Shelley Adler at Galerie Jochen Hempel, is a playful description of the fact that this show finally brings together these two artists and friends after decades of conversation about art and life and the idea of hanging their work in the same space at the same time. And, on a more practical note, About Time, provides a meaningful context about the manner in which time plays a crucial role in the working process in making art. Koelmel’s paintings happen slowly. Sometimes years can pass as many layers of opaque and transparent glazes are applied and reapplied, gradually transforming the work from one thing to another. With Adler’s ink drawings, time is of the essence, as all the work must be completed in one go. There is no chance to return and make additions or corrections to the ink once the paper takes hold of the image.

An illustrated catalogue will be published to accompany the exhibition.

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Die Brücke ist das Bild. Ich stehe auf der Brücke in dem Moment, in dem ich das Bild betrachte. Die Brücke ist statisch, das Bild bewegt sich nicht, es hängt an der Wand. Aber es ist kein fertiges Kunstwerk, das geplant und umgesetzt wurde und jetzt in seiner intendierten Form, in einer absoluten “Vollendung” vor uns hängt. Es stellt nur einen durchaus willkürlichen Schnitt in einem Bewegungsablauf dar: eine Momentaufnahme. Hinter diesem Moment liegen Stunden, Tage, Wochen oder Monate dauernde Arbeitsprozesse, Farbauftrag, Übermalung, Abtragen, Verwischen von Schichten – und vor ihm, zumindest solange das Bild im Aktionsradius der Künstlerin verbleibt, deren Fortsetzung.

Der Prozess: Wie Spuren im Schnee, die sich überlagern, neue Fußabdrücke generierend, zu denen die reale Welt keine Füße anzubieten hat, immer mehr, bis keine differenzierbaren Muster mehr zu erkennen sind, und die Fläche wieder bereit ist für die Abbildung neuer, einzelner, klarer Spuren, die sich erneut überlagern und den Vorgang in einer unendlichen Schleife wiederholen. Dabei tauchen gegenständliche Elemente – Landschaften, Bäume, Felder auf, nur, um wieder zu verschwinden, sobald man sie benennen, einordnen, in Sprache zu zwingen versucht, und man verstummt. Zufrieden.

Barbara Reber über die Arbeiten von Sabine Kölmel

The bridge is the picture itself. You stand on that bridge as soon as you start to look at the picture. It is a static bridge – the picture neither moves nor changes, but just hangs on the wall. And yet it is not a finished work of art that has been carefully planned and executed and now hangs before you in its intended form, in a state of absolute “perfection”. It merely represents one arbitrary frame in a sequence of actions – a snapshot. But it is a snapshot that is the result of hours, days, weeks or even months of work involving initial application of the paint, overpainting, removal, blurring of layers. And – at least while the picture remains in the artists ambit – this process is likely to continue.

The process is like tracks in the snow, overlapping each other, generating new footprints for which the real world has no feet to offer – again and again until there are no longer any discernible patterns and the surface is ready for the creation of fresh individual tracks, which once again begin to overlap, repeating the process in an endless loop. Representational elements – landscapes, trees, fields – emerge briefly, only to disappear again as soon as you try to identify them, categorize them, or express them in words. You fall silent. Satisfied.

translation: Hugh Keith

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Meine Arbeit spielt mit dem Genre des Porträts. Normalerweise male ich diese eng eingefasst mit Ölfarben auf großen Formaten, aber bei den neuen Arbeiten habe ich mir einen Zwang geschaffen und mich für Tusche auf Aquarellpapier entschieden. Tusche stellt einen vor Herausforderungen, weil dieser Werkstoff sich anfangs ungemein schnell bewegt, dann aber fast sofort abbindet, sodass man nur ein kurzes Zeitfenster hat, um ihn zu verarbeiten. Es ist wie eine Achterbahnfahrt, auf der man schön bei der Stange bleiben muss. Häufig verwende ich meine Freunde und Familienangehörige als Modelle, schaue aber auch gelegentlich in Werbungen und Zeitschriften nach unvertrauten Gesichtern. Ich versuche, den inneren Charakter meiner Sujets wiederzugeben, wie er in ihren Gesichtszügen zum Vorschein kommt, und bin neugierig auf die Geschichten, von denen diese Porträts womöglich unwissentlich erzählen. Jedem Werk liegt der Wunsch zugrunde, einen Einblick in das Leben einer Person zu gewinnen, der die komplexen Auseinandersetzungen um die eigene Identität erkennen lässt. -Shelley Adler

My work plays with the genre of portraiture. I normally paint in oils on a large-scale with a tight cropping, but in these new works I created different constraints for myself by choosing ink on watercolor paper. Ink presents real challenges, as the material initially moves so quickly then sets almost immediately and you only have a short window in order to make it work. It’s like being on a roller coaster and you’re just hanging on for dear life. I often use my friends and family as models, but occasionally I’ll look for unfamiliar faces in ads and magazines. I am trying to convey the inner character of my subjects as revealed in their facial features and am curious about the narratives these portraits can unwittingly convey. At the root of each work is a desire to get a glimpse into a person’s life that reveals the complex negotiations of identity. -Shelley Adler

Sabine Kölmel: 1949 geboren in Fürth / Odenwald lebt in München und Frankreich
www.sabinekoelmel.com

Shelley Adler: geboren in Edmonton, Alberta
www.shelleyadler.com

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