Peter Krauskopf

03. Mai – 14. Juni 2014

Peter Krauskopf, OHNE TITEL; B 1901213, 130cm x 100cm , 2013

Installation Views

Der Leipziger Maler Peter Krauskopf (geb. 1966) befasst sich intensiv mit der Farbe als künstlerischem Arbeitsmaterial, als Grundlage jeden Bildes. In mehrschichtigen Malprozessen erforscht er sie auf ihre Widerständigkeit und Substanz hin, sucht ihre Eigenqualitäten zu überprüfen und auszureizen, bis sie im Ergebnis der malerischen Bearbeitung erzählerische Strukturen freigibt – quasi unwillkürlich, ohne den Willen zu einer konkreten Abbildung. Die nahezu landschaftlichen Räume, die hier evoziert werden, liegen in einem Spannungsfeld, das von den figurativen Landschaftsdarstellungen der deutschen Romantik bis hin zu den gänzlich abstrakt konzipierten Werken des Informel und der amerikanischen Farbfeldmalerei reicht.
Im Zentrum der Ausstellung steht eine Gruppe jüngerer Arbeiten aus dem Jahr 2014, die nach einem doppelten Farbauftrag eine kontrollierte Zerstörung erfahren, indem die obere Schicht in vertikalen Streifen wieder von der Bildfläche abgekratzt wird, sodass die Farbreste teils in zusammengeschobenen Batzen von der Leinwand herunterhängen (Ohne Titel, B 101113).
In dieser „zerstörten Schönheit“, wie es Krauskopf formuliert, verbindet er zwei entgegengesetzte Malweisen: Zuunterst liegt ein kontrollierter chromatischer Farbverlauf, der sowohl in seiner malerischen Finesse als auch in seiner atmosphärischen Dichte auf die Imaginationen traditioneller Landschaftsmalerei anspielt. In der physischen Zerstörung des zweiten monochromen Farbauftrages wird dann deutlich, wie sehr die Leinwand als „Fenster“ den physischen Raum des Betrachters von dem imaginierten Bildraum des Farbverlaufes trennt.
Eine doppelte Besetzung der Leinwand zeigt sich ebenso in einer weiteren Gruppe von Arbeiten wie etwa Ohne Titel, B 240214. Die Grundlage bildet auch hier ein äußerst verfeinerter Farbverlauf, in dessen Mitte eine kontrastreiche, grob strukturierte Fläche aufgemalt ist. Dieses Areal besitzt gegenüber seiner Untermalung eine extreme körperliche Präsenz und wirkt wie ein Bild im Bild. Krauskopf versteht es als eine Behauptung des Malers, der nur sein „Gegenüber“ malen kann – gewissermaßen als Zitat seiner selbst. In diesem Sinne dokumentiert Krauskopfs Ausstellung einen Prozess der Selbstvergewisserung des Künstlers.

Text: Sandra Rendgen