Jong Oh

opening 27.04.2018

27.04. – 25.05.2018

WINDWARD

Jong Oh folgt einer ganz eigenen künstlerischen Praxis, denn er benutzt kein Atelier, sondern gestaltet minimale Skulpturen in situ, die auf eine vorhandene räumliche Situation reagieren. Auf die Beschaffenheit des Schauplatzes und dessen jeweilige Feinheiten eingehend, baut der Künstler räumliche Gefüge aus einer begrenzten Auswahl von Materialien – Seil, Ketten, Angeldraht, Plexiglas, Holz- oder Metallstäbe und bemalte Fäden –, die er aufhängt beziehungsweise miteinander verbindet. Die Elemente des Werks scheinen zu schweben, und je nachdem, welche räumliche Beziehung ein Betrachter zu diesem einnimmt, verknüpfen und verschränken sie sich oder erwecken den Eindruck völliger Unabhängigkeit, sodass sie in dem schlichten dreidimensionalen Raum weitere Dimensionen anklingen lassen. Mal sind die Fäden, von denen die Elemente gehalten werden, praktisch unsichtbar, mal färbt der Künstler sie leicht ein und verstärkt damit die visuelle Präsenz des entsprechenden Elements. Jong verwendet auch Licht für seine Kompositionen, in denen echte Schatten oder von ihm gemalte Graffitlinien die ätherischen Gefüge erweitern und in einem Dialog von Linien und Flächen das Auftreten optischer Täuschungen begünstigen. Seine Praxis trotzt der traditionellen Erwartung, die in der Skulptur dichte Massen und schwere Gegenstände voraussetzt, vielmehr ist sie einfachen, aber komplexen Zeichnungen vergleichbar, die die Besonderheiten des Raumes hervorheben, den sie bewohnen.

In diesen paradoxen, aus Dreidimensionalität und Zweidimensionalität, Erfüllung und Zerstörung gebildeten Grenzen wird das Erleben der Schauenden zu einer Meditation über das Launische der menschlichen Wahrnehmung. Jongs Werk ist interaktiv in dem Sinn, dass bei allen seinen Arbeiten ein wahrnehmendes Verständnis nur aus der tiefen Ergründung ihrer selbst und des durch den Eingriff des Künstlers entstandenen Negativraums erwachsen kann.

Oh ruft die Betrachtenden dazu auf, die eigene Wahrnehmung und das ihnen abverlangte Verhältnis zu ihrem Umfeld infrage zu stellen. Dafür bietet er einen Raum der Meditation und Besinnung vor dem Getümmel des Alltagslebens in unserer Zeit: ein feingliedriges und feingeistiges visuelles Haiku über Universalität und den Klang des Raums.

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Jong Oh’s artistic practice is quite particular since he does not use a studio but creates minimal sculptures in situ that respond to a given spatial situation. Responding to the nuanced configuration of each site, the artist constructs spatial structures by suspending and interconnecting a limited selection of materials: rope, chains, fishing wire, perspex, wooden and metal rods and painted threads. The elements of the work seem to float, and depending on the spatial relationship of the viewer with it these elements are connected and cross each other or appear as absolutely independent, suggesting additional dimensions to the simple three-dimensional space. Sometimes the threads that suspend these elements are practically invisible and sometimes the artist paints the thread lightly, reinforcing the visual presence of the element. Jong also uses lighting to create his compositions, where real shadows or painted lines by the artist in graphite extend his ethereal structures and favor the effect of optical illusion in a dialogue of lines and planes. His practice defies the traditionally expected assumption in sculpture of dense masses and heavy objects, acting like simple yet complex drawings that point out the particularities of the space they inhabit.

In these paradoxical limits constituted by three-dimensionality and two-dimensionality, consummation and destruction, the spectator’s experience becomes a meditation on the whim of human perception. Jong’s work is interactive in the sense that the perception and apprehension of each piece by the viewer is achieved only through a deep exploration of it and the negative space resulting from the intervention of the artist.

Oh appeals to the viewer to question their own perception and the way they have to relate to the space that surrounds them, offering a space for meditation and contemplation before the hustle and bustle of contemporary everyday life: a subtle and refined visual haiku about universality and the sound of space.