Carsten Fock

CARSTEN FOCK

I LOVE ART

08.09. – 20.10.2018

 

Galerie Jochen Hempel

Spinnereistrasse 7

D – 04179 Leipzig

Eröffnung zum Rundgang

Samstag, 08.09. 2018, 11 – 20 Uhr

Sonntag 09.09.2018, 11 – 16 Uhr

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Opening

Saturday, 08.09.2018, 11am – 8pm
Sunday, 09.09.2018, 11am – 4pm

I love art

Carsten Fock ist ein Zeichendeuter seiner selbst: Er ist das Prisma, in dem sich Welt und Mythos, Denken und Leben, Musik und Sprache, Text und Bild, Wort und Wahn brechen, überlagern, ergänzen, verfremden. Seine Bilder verschwimmen und entstehen vor unseren Augen, sie sind ein Tanz der Gesten, und Carsten Fock zeigt dabei eine Präzision, die aus Intuition entsteht, ein Zulassen dessen, was Farbe und Material sind. Es ist Malerei im eigentlich Sinn.

Das Werk, das sich in all den Jahren gebildet hat, in Ausstellungen mit so evokativen Titeln wie God is in the House, Scendere a terra, Glaube und Verzweiflung, Die Würde und der Mut, Kosmos der Angst – ist dabei von überraschender Konsistenz und doch immer wieder neu. Carsten Fock variiert in seinen Gemälden und Zeichnungen bestimmte Motive, Schriften, Versatzstücke aus der Mythenwelt des Pop wie der Philosophie, des Privaten wie des Politischen, der Kunstgeschichte wie der eigenen Biographie. Malen als existenzieller Akt: Es ist die Kunst, die ihn am Leben hält, es ist das Leben, das seine Kunst zeigt.

Und wenn das nun sehr ernst klingt, dann ist das richtig und falsch zugleich, denn bei allem Drama, das die Bilder von Carsten Fock auch oft sind, innerem wie äußerem, sind sie in vielen Momenten doch auch von einer fatalistischen Heiterkeit, die nur der erreicht, der das Dunkle gesehen hat – sein Humor, bis in die Doppeldeutigkeit der Titel seiner Ausstellungen hinein (I love art – really?), gibt seiner Kunst eine angenehme Bodenlosigkeit, fast ein Schweben manchmal, das sich in Bewegung fassen lässt.

Wer will, kann sich ganz dieser Bewegung ergeben, denn die Bilder von Carsten Fock sind oft raumgreifend, selbst wenn sie kleinformatig sind, sie strecken sich aus über die Leinwand oder das Papier, sie drängen nach Dreidimensionalität und sind von einer grellen Energie, die direkt aus Fock selbst dringt. Und gleichzeitig, bei aller gestischen Abstraktion, sind die Bilder immer auch mehr als das, sie sind Teil einer Geschichte, deren Erzähler vor einer Weile abhanden gekommen ist, so scheint es, und nun sind die Bruchstücke zu besichtigen, die der Betrachter für sich, in seiner Weise, mit seinem Prisma zusammensetzen kann.

Fock also, der Emphatiker, der seine Referenzen mit Liebe wählt, der Verehrung praktiziert und dabei stets ein wenig distanziert bleibt, bleiben muss – und Fock der Skeptiker, der dem Gang der Welt zusieht und seine Malerei als Möglichkeit versteht, diese Veränderungen festzuhalten, für sich, in sich, im Zusammenprall von Innen und Außen. Die Verbindung von beidem, der Emphase und der Skepsis, sind die Grundlagen der Weltsicht von Fock, sie sind auch das Fundament einer in seinem Werk angelegten und politischen Haltung.

Denn tatsächlich ist Carsten Focks Malerei immer auch Protest, leiderschaftlicher Protest, Protest der Leidenschaft gegen eine Welt, die sich dem ergibt, was gilt, gegen Gedankenlosigkeit, Apathie und Stumpfsinn, gegen ein Sich-Fügen, gegen das Aufgeben, gegen die Simplifizierung, die so gefährlich ist und so gegenwärtig, weil sie reaktionäre Wege ebnet, in der Kunst wie in der Gesellschaft. Aus der emphatischen Kunst, wie sie Fock kennzeichnet, wird damit eine Kunst, die sich auch politisch dem Hinnehmen entgegenstellt.

Und so formt sich im Bogen des Schaffens von Fock das Bild einer Zeit, die durchzuckt ist von Blitzen, der Schönheit und des Schreckens, die durchzogen ist von den Kräften der Vergangenheit und der Zukunft, die geprägt ist von Kunst und Kapital, und wäre Carsten Fock ein Ideologe, dann würde er Pamphlete schreiben. Er ist aber Künstler, er ist Schaffender, er ist ein Handwerker und ein Liebender, es ist eine Sehnsucht, die ihn antreibt und sich in seinen Bildern zeigt, und so sendet er mit diesen Bildern Signale, an sich, aus sich, um sich wach zu halten und uns mit ihm.

Georg Diez

I love art

Carsten Fock is a conjuror of his own self: he is the prism in which world and myth, thought and life, music and language, text and image, expression and obsession meet, diffract, overlap, enhance and alienate. His pictures become blurry and indistinct and materialise in front of our eyes as dancing gestures. Carsten Fock thus creates a precision that emerges from intuition, revealing the innate power of colour and material. It is painting in the truest sense of the word.

Carsten Fock’s oeuvre is surprisingly consistent and yet constantly new. Evolving over the years, it has been shown in exhibitions with evocative titles such as God is in the House, Scendere a terra, Glaube und Verzweiflung, Die Würde und der Mut or Kosmos der Angst. In his paintings and drawings, Fock modifies select motifs, texts and out-of-place phrases from the mythic world of pop and philosophy, the private and the political, art history and his own biography. Painting is an existential act: it is the art that keeps him alive and the life that presents his art.

If this sounds somewhat serious, then it is accurate and incorrect at the same time, because for all the drama (both inner and outer) that Fock’s paintings often suggest, they also express a fatalistic cheerfulness that only someone who has seen darkness can truly achieve. His humour, which frequently extends to the linguistic innuendo of his exhibition titles (I love art – really?), conveys a pleasant volatility to his works, a state of suspension that can be grasped as movement.

Anyone is free to completely surrender to this movement, as Carsten Fock’s paintings are often expansive. Even if they are of a small format, his works extend over and beyond the canvas or paper, pushing towards three-dimensionality with an incredible energy that comes directly from the artist himself. At the same time, however, the images are always more than mere gestural abstraction. They are part of a story whose narrator apparently went missing some time ago, leaving fragments for the viewer to piece together with their own personal prism in any which way.

So there is Fock, the emphatic artist who chooses his references with love, who practises admiration and always stays, or is forced to stay, at a certain distance. And then there is Fock, the sceptic artist who observes the course of the world and who sees his painting as a possible way to capture these changes, for himself, in themselves, in the collision of inside and outside. The union of both, emphasis and scepticism, forms the foundations of Fock’s world view and is also the basis of a political position rooted within his work.

Indeed, Carsten Fock’s paintings are always a form of protest, a passionate protest, of passion protesting against a world that has succumbed to the status quo, against carelessness, apathy and mindlessness, against giving in, against giving up, against the simplification that is so dangerous because it evens out reactionary paths in art as much as in society. The emphatic art as characterised by Fock evolves into an art that confronts acceptance – also on a political level.

Within the scope of Fock’s creative work, therefore, the image of a time emerges – a time seized by flashes of beauty and of horror, pervaded by the powers of the past and the future, and shaped by art, commerce and capital. If Carsten Fock were an ideologue, he would write pamphlets. But he is an artist, a worker, a tradesman and a lover. He is driven by a desire that is seen in his paintings – and so he sends with these images signals to himself, out of himself, to keep himself conscious and awake, and us with him as well.

translation: Ariane Kossack
text: Georg Diez