Benjamin Bergmann

March 3 – April 13, 2017

BENJAMIN BERGMANN

UNTERECK 5

03.03. – 13.04.2017

Galerie Jochen Hempel

Lindenstrasse 34

D – 10969 Berlin

Eröffnung

Freitag, 03.03.2017, 18 – 21 Uhr

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Opening

Friday, 03.03.2017, 6 – 9pm


Mit “Untereck 5“ präsentiert der Künstler Benjamin Bergmann in den neuen Ausstellungsräumen der Galerie Jochen Hempel, Berlin Objekte, Situationen und Bilder, denen wir solcherart nur auf dem Land oder in freier Natur begegnen.

Dabei lässt bereits der absurd anmutende Titel „Untereck 5“ erahnen, dass es sich hierbei nicht um eine bloße Naturschau handeln kann. Vielmehr konfrontiert Bergmann in seiner künstlerischen Auseinandersetzung den Betrachter immer mit mehreren Ebenen der Wahrnehmung. Das Spiel zwischen dem Bild und seiner immanenten Erzählung sowie den kunsthistorischen Bezügen lassen vielfältige Assoziationen zu. Auf diese Weise entstehen Erzählungen, die eine gewisse Romantik und Liebe zu den einzelnen Objekten nicht verbergen können. Zugleich wird jedoch auch auf den Kreislauf von Zeit, Wiederholung und Vergänglichkeit verwiesen und eine Melancholie spürbar, jedoch ohne moralische Belehrung.

So thront im Zentrum der Galerie ein nahezu raumhohes, komplett in silberner Farbe gehaltenes Storchennest, welches nicht allein aufgrund des strahlenden Glanzes, sondern auch wegen seiner Symbolik als Glücksbringer und Frühlingsbote sofort ins Auge sticht.

Der „Zimmerbrunnen“ besteht aus zwei Eimern und einem Bierkrug, die – allesamt in Aluminium gegossen – eine Art Kaskade formen. In einem unendlichen Kreislauf wird das Wasser aus dem untersten Eimer nach oben befördert, um den Bierkrug zu füllen, bis – im wahrsten Sinn des Wortes „der Krug überläuft“.

Aus Bronze sind auch die reliefierten „Tafelbilder“, die in unterschiedlichen Formaten an der Wand hängen und deren glänzende Bildoberflächen die Zeichnungen der Zeit, die auf natürliche Weise durch Wind und Wetter in das Holz eingeschrieben wurden, hervorheben.

Im Gegensatz zur Zartheit und Sensibilität der Tafelbilder steht „Black Rope“, ein dunkelgehaltenes Wurfseil oder Lasso, dessen steif gedrehten Seilringe in aufgelockerter Form übereinanderliegen. Es erzählt die Geschichte des nordamerikanischen Westens, von Cowboys und Tieren, von Herrschaft und Dominanz und der Bezähmung und Unterwerfung der Natur.

Die weiße „Prilblume“, ein Vermächtnis aus der Werbewelt, wurde in zahlreichen Schichten mit weißer Farbe übermalt, so dass nur noch eine leise Ahnung der Beleuchtung durch die vereinzelt schimmernden Glühbirnen tritt.

„Untereck 5“ lautet der Titel des gleichfalls in Bronze gegossenen Vogelhäuschens, dessen Spuren der Zeit aus Moos und abblätternden Holzspreiseln die Außenhaut des Objekts prägen. Üblicherweise in schwindelnder Höhe an Bäumen angebracht oder an Seilen hängend, zeichnet sich dieses eher kleine und niedliche Objekt durch sein immenses Gewicht aus. 30 Kilogramm wiegt diese Festung, die seinen vermeintlichen Bewohner durch zentimeterdicke Metallplatten vor Gefahren schützt.

„Spionspiegel“ ist ein in die Ecke des Raums platzierter konvexer Verkehrsspiegel, der ebenfalls in die Jahre gekommen ist und möglicherweise vielen Blicken den Weg gewiesen hat. Üblicherweise dem Verkehrsteilnehmer zur besseren Orientierung dienend, wird das Objekt hier selbst zum Beobachter. In Bergmanns künstlicher Welt entwickelt der „Spionspiegel“ ein Eigenleben und wendet langsam und im Wechsel seinen Blick von links nach rechts.

Benjamin Bergmann konzentriert unseren Blick auf das, was so selbstverständlich im Alltag verborgen liegt. Motive und Gegenstände aus der Natur und dem Leben auf dem Land, stille Begleiter aus dem alltäglichen Leben werden von Bergmann isoliert, leicht verändert und in einen anderen Kontext überführt. Fast immer durchlebt der Betrachter mehrere Stufen der Rezeption: Ein anfänglich unaufgeregter, vertrauter Blick entwickelt sich zu einer amüsierten Überraschung und gerät oft in eine nachdenkliche Mehrdeutigkeit, bei der fast alle Gemütszustände möglich sind. Benjamin Bergmann gelingt es immer wieder, den vertrauten Blick des Betrachters heimtückisch zu durchkreuzen und neue Dimensionen des Gewohnten zu präsentieren. Auf diese Weise entfalten die in „Untereck 5“ versammelten Objekte eine ganz eigene und poetische Kraft.

INSTALLATION VIEWS

installation view Benjamin Bergmann, Galerie Jochen Hempel Berlin, 2017

installation view Benjamin Bergmann, Galerie Jochen Hempel Berlin, 2017

installation view Benjamin Bergmann, Galerie Jochen Hempel Berlin, 2017

installation view Benjamin Bergmann, Galerie Jochen Hempel Berlin, 2017

With the show entitled Untereck 5, held at the new exhibition space of Galerie Jochen Hempel, Berlin, the artist Benjamin Bergmann consciously displays images, objects and situations, which can only be encountered as such in the countryside or the great outdoors.

Yet the absurd-sounding title Untereck 5 already suggests that this is not merely an exhibition of nature. Bergmann’s artistic approach rather confronts the viewer with several levels of perception. The interplay between the image and its central narrative as well as art-historical references produces multiple associations. Stories begin to unfold that reveal a certain love and romanticism with regard to the individual objects. At the same time, however, the artist makes reference to the cycle of time, of recurrences and of transience, and a sense of melancholy prevails – void of any moral indoctrination.

We see a stork’s nest, for example, almost as high as the room and painted entirely in silver. Boldly dominating the gallery’s central space, it is striking not only in its brilliance but in symbolism, as a sign of good luck and a harbinger of spring.

Zimmerbrunnen (indoor fountain) consists of two buckets and a beer stein, which are all cast in aluminium and form a cascade. In a never-ending cycle, water is pumped up from the lowest bucket to fill the stein until it literally spills over.

Cast in bronze, the relief-style Tafelbilder (panel pictures) adorn the gallery wall in various formats. Their bright shining surfaces accentuate the markings of time naturally inscribed into the wood by wind and weather.

Black Rope stands in stark contrast to the delicateness and sensibility of the panel pictures. It comprises a dark rope or lasso, its long twisted coils loosely stacked on top of each other. This object tells the story of the North American West, of cowboys and animals, of rule and command, and of taming and the submission of nature.

The white Prilblume (hippy flower), a relic from the world of advertising, has been covered with countless layers of white paint, so that only the faintest notion of shimmering light is seen emanating from the isolated light bulbs.

Untereck 5 is the title of a birdhouse, also cast in bronze, with moss and slivers of flaking wood that mark the traces of time on it. Birdhouses are usually found high in the treetops or hanging on ropes, yet this small and rather cute specimen stands out on account of its weight. This fortress has a weight of 30 kilograms, protecting its presumed inhabitants by metal plates with a thickness of several centimetres.

Spionspiegel (spy’s mirror) is a convex traffic mirror placed in a corner of the room. Showing definite signs of age, it has most likely guided many a searching eye. Although it is generally used as an orientation guide to help direct traffic, here it is the object itself that observes. In Bergmann’s artistic world, the spy’s mirror develops a life of its very own, slowly and alternately turning its watchful eye from left to right.

Benjamin Bergmann focuses our attention on that which tends to lie hidden in everyday life. Using motifs and objects taken from nature and life in the country – silent companions of everyday life – Bergmann singles them out, modifies them slightly and transposes them into a new context. Viewing these objects inevitably requires several steps in the process of perception: an initial unexcited and familiar look turns into an amused sense of surprise and often leads to thoughtful ambiguity, comprising the entire range of emotional states. Time and again, Benjamin Bergmann artfully succeeds in thwarting the spectator’s familiar view, thus presenting new dimensions of the habitual. In this manner, the objects exhibited in Untereck 5 unfold a highly unique and poetic strength.