Barbara Proschak

opening June, 30

In_let

30.06. – 29.07.2017

Barbara Proschak

Von der Veränderung deiner Bilder durch meine Worte

1,8 qm machen 28,8 DIN A4 Blätter. Das ist die durchschnittliche Fläche der Haut — Hast du geschrieben — Und hat jemand gesagt. Das ist eine sachliche Übertragung und eine kühne Berechnung noch dazu. Doch der Vergleich zu diesem genormten Papier, auf das geschrieben und gedruckt wird, führt mich zu einigen Ideen und Gedanken über deine Ausstellung. Du nennst sie „In_let“ und präsentierst sie hinter Glasscheiben, auf Trägern und weißen Wänden. Es ist in etwa so, wie mit einem Erpresserbrief, auf dem zusammengesuchte Buchstaben die Forderung formulieren, aber noch nicht festgeklebt wurden. Du fixierst deine Bilder im Folgenden mit Nägeln, Schrauben und Nadeln. Jedes Bild ist ein Zeichen — ein Buchstabe — und ergibt in seiner Gemeinschaft jene Forderung wider. Sie ist nicht „Die Forderung“, dafür ist sie mir noch gar nicht deutlich geworden. Jedenfalls forderst du mich auf und heraus, mir deine Bilder anzusehen. Du köderst mich mit beträchtlichen Größen und weichen Velourpassepartouts. Aus Angst, einen Fettfleck von meiner Nasenspitze auf dem Glas zu hinterlassen, das gebürstete Velour mit meiner Hand durcheinander zu bringen oder etwas kaputt zu machen, fasse ich nichts an. Ich schaue und bespreche mit mir, was ich sehe. Erinnerungen, Querverbindungen, meine Angst und du — Barbara Proschak — bilden meine Gedanken. Was ich mir nicht getraue, hast du bereits vollzogen und zeigst es mir nun: Berührte Oberflächen, nein aufgelegene Oberflächen, geklebt oder durchstochen oder beides. Was so präzise erscheint, ist in Wahrheit Aufsässigkeit. Aufsässigkeit dem gegenüber, nicht berührt, nicht verletzt und am Ende verheimlicht zu werden. Es ist, als würden Fragen nicht beantwortet werden, als würdest du nach Wissen betteln, das dir vorenthalten wird. Du suchst nach Sinn. Du sammelst, kombinierst, erkennst und scheiterst — Vor meinen Augen. Du gehst nicht zur Demo, denn du formulierst deine Parolen ständig neu, trägst sie dir vor, verwirfst sie. Du suchst nach anderen Antworten, die vielleicht tröstlicher sind, vielleicht bekömmlicher, vielleicht aber nur. Letztlich sind die Bilder hier deine Banner. Ohne nur ein Wort — Darum hast du mich gebeten. „In_let“. Noch ein Bild. Kannst du nicht sagen, was du bezweckst, von mir hören willst und zeigen möchtest? Du lädst mich ein und dann doch wieder nicht. Du berührst deine Bilder und dann stichst du auf sie ein. Du machst. Ich schaue. Du hast den Spieß umgedreht und zeigst mir, wie es dahinter aussieht. Scheinbar, denn du sagst ja nichts. Du bist: Barbara; eine nackte Blume; dein Stuhl; deine Haut, ein Abdruck davon; trägst gern Strumpfhosen; zeigst mir ein Bild von einem Bild: Alles wird vermessen; hat Format; hat Farben, um unterschieden zu werden; auf Abstand gehalten. Das Bemerkenswerte deiner Ausstellung ist eine Art von matter Auflehnung gegen Schweigen und Ratlosigkeit mit glänzender Distanz, die zu ertragen du mich aufforderst.

Peter

Peter Udo Brückner (Frei nach „Von der Veränderung der Dinge durch das Wort“ von Francis Ponge)

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