Andreas Johnen

opening 05.11.2016

Andreas Johnen Aquarelle

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What you see is what you get!

Die ausgestellten Arbeiten sind das Ergebnis einer konzentrierten, kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Papier und Aquarellfarbe innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte. Es werden Begriffe, wie: Ausdehnung,Plastizität, Zeit, Richtung,
Arbeit, Wiederholung, Wert, Raum analysiert und transponiert. Sie finden ihren Widerhall in der prozesshaften Materialbearbeitung und dem Zusammenspiel ihrer sich gegenseitig beeinflussenden Wirkungsmustern. Die Bewegung des Materials auf der Fläche bildet das Objekt. So sind in den letzten Jahren Aquarelle unterschiedlicher Größe entstanden.
Die Aquarellpapiere wurden sowohl liegend als auch vertikal hängend bearbeitet. Mit bis zu 140 Schichten wird die Aquarellfarbe zu einem satten Farbauftrag verdichtet. Nach jedem Arbeitsgang erfolgt ein Trocknungsprozess. Die Unterscheidung der Arbeiten liegt in der Größe wie auch in der Herstellungsmethode. Die Aquarell-Serien aus 2013 (208 x 208 cm gerahmt) sind horizontal liegend entstanden. Die im Prozess auf dem Parier temporär fixierten Klebestreifen und Folien bilden einen Abdruck ohne ein tatsächliches Abbild zu erzeugen, wogegen die Arbeit aus 2016, aus fünf monochromen Blättern besteht (jedes 191 x 181 cm), welche mit Klebestreifen horizontal fixiert und dann mit Farbe beschüttet wurden. Diese ist, wie bei allen horizontal entstandenen Arbeiten, in das Papier eingezogen und überschüssiges Material wurde wieder entfernt. Eine weitere mehrteilige Arbeit aus diesem Jahr, dokumentieren das Farbspektrum der 24 Farbtöne mit denen Andreas Johnen seit fast zwei Jahrzenten arbeitet. In Ihrer objekthaften Präsentation verdeutlichen Sie die unabhängige Sensibilität der Aquarelle.
Die konkrete Form bleibt durch den Umgang und die Auswahl der Materialien nicht minimalistisch, sondern provoziert an bestimmten Stellen einen unkontrollierbaren Entstehungsprozess. Dieser Prozess ist dem Künstler wichtig, damit am Ende kein hermetisch erscheinendes „Endprodukt“ entsteht. Der Betrachter soll den Vorgang nachvollziehen können. Die Komplexität der Arbeiten erschließt sich optimal bei Tageslicht und über einen längeren Zeitraum. Speziell bei den Aquarellen wird die Wahrnehmung von Volumen, Zeit und die Reflektion der sich verändernden Umgebung unter natürlichen Bedingungen erst möglich. Sie sollen die Realität in den Ausstellungsraum transportieren ohne bildhaft zu beschreiben. Mit einer Beschränkung der Mittel und dem Herausarbeiten einer Zuspitzung, soll dem Betrachter die Möglichkeit eingeräumt werden, ohne erklärende Worte auszukommen. Daher soll durch den physischen Umgang mit den Materialien eine Form von Realität wachsen, die ihm nicht als fremd erscheint.
Dadurch wird es ermöglicht, die Arbeiten in Ihrer Komplexität wahrnehmen zu können und nicht nur einen Ausschnitt dem Betrachter zur Ansicht zur Verfügung zu stellen.

installation views Galerie Jochen Hempel, Leipzig

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installation view, Andreas Johnen Galerie Jochen Hempel, Leipzig Foto: Werner Maschmann

installation view, Andreas Johnen Galerie Jochen Hempel, Leipzig Foto: Werner Maschmann

What you see is what you get!

At what point in time does a sculpture – with its form and objectuality – stand out against a flat painting? Does the impression of an independent sculptural object impose itself onto the viewer without being shaped directly in its form?

When the foundation is seen in relation to the application of pigments, it becomes an independent object. Depending on the constitution of the watercolor up to 140 layers are being applied repeatedly. The artisticity of the colors and their mixture fade into the background. Many different factors are interdependent and have an effect on the object for which the artist sets individual limits such as time, space, expansion, and repetition.

It seems as though the work process is conceived as a self-sufficient choreography and remains manifested in the prevailing alteration of the material. Through this procedure different works of varying sizes (i.e. 35 x 35 cm, 208 x 431cm) are conceived that are comprised of single or multiple pieces fitting together as a whole through their deposition and extent. One perceives the manifestation of time as the object is being observed.

Portfolio: Ausstellung_Andreas Johnen_GalerieJochenHempel_2016